Mosaiksteine III

6. April 2011 at 17:38 1 Kommentar

Teachfirst romantisch: eine alte Dame bahnt sich den Weg durch den Pausenhof, Schritt für Schritt, auf einen Stock gestützt, lächelt. Sie bleibt stehen und schaut gebannt. “Das ist wie in alten Zeiten!”, sagt sie. Vor ihr hüpfen Fatma, Bugra, Mikail, Esra, Marvin und wie sie alle heißen “Seilchen”, wie es hier so schön heißt. Allein. Zu zweit. Mal als Gruppe. Und das neueste Feature lieben sie: das Rekordbuch. Alle 30 Sprünge darf man auf der persönlichen Rekord-Seite eintragen, wieviel Sprünge man jetzt insgesamt geschafft hat. 30 Sprünge sind für jeden mit Unterbrechungen leicht schaffbar. Gleichzeitig ist 30 auf Dauer nicht so leicht zu addieren wie 50. voila, haben wir also nicht nur etwas für die Jugendgesundheit, sondern auch für die Mathematik getan. Und das alles freiwillig und in der Pause. Die Springsummen gehen allmählich in die Tausende. Da lernt noch der letzte das Rechnen mit der Quersumme, um zu überprüfen, ob die Zahl 2010 jetzt durch 3 (oder 30) teilbar ist, oder nicht ;-) . Soviel zur Jugend von heute. Und die alte Dame lächelt immer noch.

 

Teachfirst glücklich: Darf ich auch meinen Namen auf so eine Seite schreiben? fragt Susan. Und ab da ist sie nicht mehr zu halten. Springt Seil. Addiert die 30er-Sprünge, stempelt mit Zahlenstempeln in das Rekordbuch, was sie geschafft hat und geht nachmittags mit roten Bäckchen heim. Ich treff sie an der Ubahn und auf mein “Na, glücklich?” kann sie nur nicken, nicken, nicken. Morgen? Kommt sie wieder. Und will das rote Seil.

 

Teachfirst gerührt, nicht geschüttelt.  Benjamin, eine Art Räuber Hotzenplotz der Schule, tritt auf den Plan. Im Prinzip kommen wir gut zurecht, aber als Trainingsraum-König hat er eine gewisse traurige Berühmtheit erlangt und aus dem Kreislauf auszubrechen, fällt schwer. “Kann ich einen Ball haben, bitte?” fragt er. Da kann man nichts sagen. Ein ganzer deutscher Satz, mit Höflichkeitspartikel – aber Moment. Einen Ball (Tennisball) an sich geb ich eher ungern her (obwohl ich Weitwurf als Disziplin sehr schätze).  Auf dem Pausenhof kann das aber zu ungeahnten Personenschäden führen. Wozu also braucht Benni den Ball? “Einfach so”, sagt er. “Jonglieren”. Naja, aber wie machst du das, so mit einem Ball? “Och”, sagt er. Eigentlich wolle er den Ball bloß, um das Mädchen da drüben aufzuheitern, die habe nämlich grade geweint. Sprachs, nimmt den Ball, läuft hinüber und macht minutenlang eine Clownnummer für ein einziges trauriges Mädchen, das auf den Stufen sitzt und sich allmählich ein Lächeln abringt. Irgendwann kommt sie sogar herüber und borgt sich auch ein paar Bälle. Jonglieren lernen.

 

 

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2 Tage in einem Dialog unter Fachleuten

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  • 1. Rena  |  8. April 2011 um 10:09

    Schön, einfach nur so schön!! :)

    Kommentar

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